ZDF Mittagsmagazin
(ZDF, 07.04.00)
 
Susanne Conrad: Und jetzt wird's romantisch und zwar so richtig. Dafür garantieren schon die beiden Hauptdarsteller Anja Kling und - ich bin wirklich ein Fan von ihm - Walter Sittler. Die beiden begegnen sich und es ist praktisch Liebe auf den ersten Blick. Aber es wär natürlich langweilig, wenn das schon die Geschichte wäre, wenn sie sich einfach in die Arme sinken und für immer glücklich sein würden - nein, vor das Happy-End hat der Drehbuchautor deshalb riesen Hindernisse gestellt: der traummann, den es hier zu erobern gilt ist nämlich Priester, katholischer Priester. Ein bisschen "Dornenvögel the next generation". "Das Herz des Priesters" heißt der Zweiteiler im ZDF und zu sehen ist er kommenden Sonntag und Montag jeweils um 20.15 Uhr.

Gezeigt wird ein Ausschnitt aus "Das Herz des Priesters" - der erste Kuß
   
Susanne Conrad: Und ich kann's nicht fassen, jetzt sitzt er hier bei mir, Walter Sittler - herzlich Willkommen!

Walter:
Danke.

Susanne Conrad: Was mich immer beschäftigt: diese Kussszenen sehen ja toll aus, so richtig hingebungsvoll - machen die eigentlich Spaß?

Walter: Schon, wenn man sich mit der Partnerin gut versteht schon. Weil, man dann die Chance hat so eine für alle Menschen ja sehr schöne Situation zu spielen und ich spiele gern.
ZDF Mittagsmagazin 1
 
Susanne Conrad: Aber es ist dann doch irgendwie Spiel, also nicht ...

Walter: Nein, es ist Arbeit. Man muss genau gucken, wann man sich dreht, wo die Kamera ist, dass man nicht zu viel macht, nicht zu wenig, dass es ernst bleibt - also nicht ernst, sondern glaubwürdig wird.

Susanne Conrad: Also man verständigt sich dann auch mit der Partnerin wie man das angeht?

Walter: Ja, klar.

ZDF Mittagsmagazin 2 Susanne Conrad: Also das ist alles schon genau abgesprochen.

Walter: Ja, als wir diese Szene gedreht haben, das war irgendwann in der Mitte der Drehzeit. Da kannten wir uns schon gut und verstanden uns gut und da haben wir dann gesagt "machen wir das so und das so" und die Kamera läuft außen rum und dann funktioniert das.

Susanne Conrad: Das ist wahrscheinlich auch 'ne Erleichterung, denn wenn man sich so ganz neu ist und dann muss man gleich so 'ne ganz intime Szene spielen.. Was ist eigentlich mit Ihrer Frau, wenn die solche Szenen sieht oder mit den Kindern? Sagen die dann "Papa, also wirklich!"
 
Walter: Nein, die wissen, das ist meine Arbeit und wir reden da auch drüber. Es ist richtig meine Arbeit und ich erzähle ihnen auch wie das geht und für meine Frau gibt es keinen Grund zur Eifersucht, nein.

Susanne Conrad: Also als Frau eines Mannes, der so angeschwärmt wird wie Sie, finde ich es schon 'ne enorme Größe nicht eifersüchtig zu sein. Ich hab ja gedacht, ich sei allein auf weiter Flur, Ihr größter Fan. Aber ich finde mich in einer Masse von Bewunderinnen. Ist das eigentlich schwer so angeschwärmt zu werden? Geht einem das manchmal auf den Keks?

Walter: Naja, ich glaube... nein, nein, weil die meiste Bewunderung tragen die Frauen oder auch die Männer, die das mögen, was ich spiele, tragen die ja mit sich rum und machen sie mit sich alleine aus. Ich krieg davon gar nicht soviel mit.

Susanne Conrad: Also Sie werden nicht belästigt - außer jetzt von mir im Augenblick...

Walter: Auch nicht. Nein nein, das ist schön zu wissen, dass viele Menschen das mögen, doch, das mag ich gern.

Susanne Conrad:
Reden wir doch ein bisschen über diesen Zweiteiler, diesen Fernseh - Zweiteiler, "Das Herz des Priesters". Erinnert so ein bisschen an "Die Dornenvögel", DIE Geschichte ging ja schlecht aus.

Walter: Ja, stimmt. Es ist aber so, dieser Film ist etwas anders, weil der Zustand des Priesters nicht das Zentrum des Films ist und auch das Zölibat nicht. Es ist kein Film über das Zölibat, sondern das Zölibat ist eines der Hindernisse auf dem Wege zur Erfüllung dieser Liebe. Und deswegen würde ich das nicht in eine Linie stellen. Er fährt auch nicht nach Rom und macht alles mögliche, sondern er muss schauen, wie er das hinkriegt.

Susanne Conrad: Das hab ich Richard Chamberlain auch irgendwie krumm genommen, dass er sich nicht für die Frau entschieden hat. Also dürfen wir hoffen, dass es bei Ihnen in dem Film jedenfalls anders ist.

Walter: Naja, sonst wären's ja keine zwei Teile, ne? (er grinst)

Susanne Conrad: Gut. Sie spielen einen Mann, der tief im Glauben verwurzelt ist, für den die Kirche zumindest bis zu diesem Augenblick, wo er diese Frau trifft, das Leben bedeutet. Haben Sie auch privat ein Verhältnis zur Kirche, Beziehung zur Kirche?

Walter: Sagen wir mal so: meine Kinder sind getauft und mein Vater hat Theologie studiert, mein Großvater war Priester, hat mich getauft, ich selber habe natürlich in der Schule das alles mitbekommen, hab im Knabenchor gesungen, der dauernd in Kirchen unterwegs war - also, ich hab viel von der Kirche mitbekommen. Ich halte das auch für wichtig. Nicht die Institution Kirche, sondern das was im Glauben ist und was gut daran ist, dazu stehe ich, ja klar. Das ist gut für uns, das brauchen wir auch.

Susanne Conrad: Kirchen ist ja auch oder Pfarrer sind ja auch in Serien oder Filmen immer wieder Thema und die Zuschauer stehen richtig drauf. Wie erklären Sie sich das? Was suchen die Leute da?

Walter:
Ah, das ist wahrscheinlich ... einer, der weiß, wie man das Leben leben soll, der dir sagen kann "wenn dir das passiert, dann mach das und behandel deine Mitmenschen so und dich selber so" - das möchte man gern wissen und das kriegt man von niemandem so richtig gesagt und man denkt, der Priester weiß es oder irgendein Philosoph oder eine Ideologie. Und dann geht man da halt drauf zu und das ist bei den Priestern auch so.

Susanne Conrad: Wer hat Ihnen denn gesagt, wo es richtig lang geht und wie es richtig ist?
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Walter: Drinnen (er deutet auf's Herz), irgendetwas drinnen hat dann gesagt "so jetzt machst du das" und jedes Mal in meinem Leben war das so, wenn es das Richtige war, dann gab's überhaupt keine Entscheidung, dann war das völlig klar. Mit meiner Frau zum Beispiel, das war völlig klar, gab's gar keine Diskussionen.

Susanne Conrad: Aha, also die innere Stimme ist schon ein guter Wegweiser.

Walter: Für mich war es immer so, immer.

ZDF Mittagsmagazin 4 Susanne Conrad: Sie sind aufgewachsen in einer Familie mit acht Kindern, Sie waren der Jüngste - waren Sie immer so das kleine Nesthäkchen oder mussten Sie ganz schön kämpfen, um sich gegen die Großen durchzusetzen?

Walter: Ja, das ist so, das Bild vom Nesthäkchen, das von allen verwöhnt wird - ganz so ist es nicht. Ich war sehr gut aufgehoben, das stimmt. Ich hatte immer genug Freunde, nämlich meine Brüder und Schwestern, aber z.B. wenn man dann Schlitten fahren gegangen ist in Kette, raten Sie mal, wer der letzte Schlitten war?

Susanne Conrad: Ich ahne es, ich ahne es...
 
Walter: Und das sind so die Sachen, die man dann aushalten muss, aber insgesamt war ich sehr gut aufgehoben, ja.

Susanne Conrad: Werden die auch alle gucken, oder gucken die, wenn Sie im Fernsehen sind?

Walter: Die, die in Deutschland sind schon. Die, die in Amerika sind, können nicht, weil sie's nicht empfangen können.

Susanne Conrad: Es sei denn, das wird jetzt noch nach Amerika exportiert, das wär ja gar nicht das Schlechteste. Walter Sittler mal vorzeigen in Amerika?

Walter: Das wär gut, mit Vergnügen, mit Vergnügen.

Susanne Conrad: Also, ich wird auch gucken, am Sonntag und am Montag, 20.15 Uhr im ZDF und ich bedanke mich sehr bei Ihnen, dass Sie da waren.

Walter: Danke für die Einladung.

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