"Man muss den Schutz der Welt abkoppeln vom Profit"
(heute.de, 08.07.08)
 
Schauspieler Walter Sittler, bekannt aus der ZDF-Krimireihe "Der Kommissar und das Meer", engagiert sich seit Jahren für den Klimaschutz. Auf der Expo in Saragossa erklärt er, warum die Politik allein seiner Meinung nach mit dem Klimaschutz überfordert ist

Was hat Ihnen denn auf der Expo besonders gefallen?
Mich fasziniert die Grundidee der Weltausstellung, die ja verschiedene Ausschnitte der Welt zeigen und vermitteln will. Ich habe viel gesehen und viel gelernt, auch über Länder, die ich noch nie besucht habe. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es in Bolivien eines der größten Süßwasserreservoirs der Welt gibt. Man kriegt richtig Lust hinzufahren und mehr zu lernen.

In dieser Expo dreht sich alles um das Wasser - was bedeutet Wasser für Sie persönlich?
Ich mag Wasser und finde es sehr entspannend. Wenn an manchen Tagen alles so grau ist und ich gehe in die Badewanne, bekomme ich gleich wieder gute Laune. Ich schwimme lieber in Süßwasser und fahre gerne auf Salzwasser. Ich habe keine Angst vor Wasser - so mittendrin fühlt man sich klein und nicht mehr so wichtig. Das gefällt mir.

Was können wir denn tun, um unsere Umwelt besser zu schützen?
Die Veränderung in den Verhaltensweisen zum Schutz der Umwelt kann nur von den Menschen selber kommen. Es ist eine Einstellungssache. Wir in unserer kleinen Gemeinde, in unserem Stadtteil, in der Familie, wir sind verantwortlich für das, was wir tun und verbrauchen. Und was wir heute zuviel verbrauchen, haben unsere Nachkommen hinterher nicht mehr. Es fängt mit den kleinen Taten an. Gruppen von Menschen, die sich zusammentun und sagen, wir machen uns unabhängig von großen Konzernen. Das ist billiger, und wir schonen die Umwelt. Man muss den Schutz der Welt und der Menschen abkoppeln vom Profit, und wenn wir das nicht tun, schaffen wir es nicht. Viele Gemeinden tun das schon, und wenn diese Unabhängigkeit von kleinen Dörfern um sich greift, dann haben wir gewonnen. Die Politik kann dann eigentlich nur die Organisation sein, die diese Unabhängigkeit unterstützt.

Ist also jeder einzelne verantwortlich?
Verantwortung für die Welt heißt Verantwortung für mich und das Leben auf unserem Planeten. Wenn wir das nicht ins Zentrum der Überlegungen stellen, wird alles sinnlos. Wir müssen unsere Denkweise ändern. Wir sind Teil der Welt und nicht die Welt Teil von uns. Wir sollten mehr Lust haben, die Dinge gut zu machen und das nicht als Last empfinden. Ich wünsche mir mehr Verantwortungslust auf dieser Welt. Und das kann jeder Einzelnen für sich entscheiden.

Was nehmen Sie mit von der Expo?
Wir sollten alle sorgsamer mit Wasser umgehen. Nicht nur die Spanier haben ein Problem mit dem Wassermangel. Wir müssen alle aufpassen, dass unseren Nachkommen nicht das Wasser ausgeht, indem wir es genauso schonend behandeln wie uns selbst. Ich habe hier viele interessante Anstöße gesehen, wie wir das Problem lösen können.

© 2008, ZDF, heute.de; S. Biedenkopf