Berlin Mitte
Zielgruppe Eltern - Familienplanung für die Wahl
(ZDF, 09.05.02)
 
 
Maybritt Illner Gäste dieser Politik-Talkshow mit Maybritt Illner waren:
Gregor Gysi (PDS), Jürgen Rüttgers (CDU) Renate Schmidt (SPD) Heinz Hilgers (Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes) und Walter Sittler.

Walter ging in dieser Runde der talkshowerfahrenen Politiker leider etwas unter, aber er hat dennoch ein paar interessante Statements abgegeben:
   
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M. Illner: Walter Sittler - bekannt aus Funk und Fernsehen, würde man anderswo sagen. ZDF Reihe "girl friends", "Nikola" bei RTL. Familienvater, Vater von drei Kindern und in einer kinderreichen Familie groß geworden mit alles in allem acht Kindern. Sie sind natürlich nun auch ein klassisch sicherlich politisch interessierter Bürger und Konsument von Wahlversprechungen. Wenn Sie sich das anschauen, was sich die Parteien auf die Agenda gesetzt haben in Sachen Familienpolitik, dann sind das in erster Linie finanzielle Versprechen. Ist es das, was sich ein Familienvater von drei Kindern am meisten wünscht?

Walter: Nein. Also, es kommt drauf an, wie das Einkommen der Familie ist. Wenn man sehr wenig hat, ist das schon mal was. Aber ich finde, in der Familienpolitik fehlen einige Parameter und deswegen kommen falsche Entscheidungen zustande. Ich hab das Gefühl, hier wird mit Nebelkerzen geworfen um zu sagen "Es ist alles in Ordnung, es ist alles in Ordnung und ich weiß, wo's lang geht!" Aber keiner weiß es wirklich! Und ich glaube, ein großes Problem ist - aber das ist auch schon bekannt - dass der Wert der Arbeit in der Familie so niedrig angesetzt ist, dass es fast schon beleidigend ist.
Und solange das nicht geändert wird... Das kann man nicht nicht mit Geld bzw. das kann man auch mit Geld machen, aber das ist ein ganz anderes Thema. Aber das muss man erst mal im Kopf haben, damit man daran die politischen Entscheidungen ausrichtet. Und solange man das nicht tut, werden es immer nur Wahl-Geschenke sein und hier ein Pflaster und da ein Pflaster, aber das Grundsätzliche wird nicht geklärt werden können.
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M. Illner: Da haben wir doch genug Stoff, für die Politiker in der Runde.

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Berlin Mitte 2 Walter: Was Sie [Gregor Gysi] sagen ist ja richtig, das geht aber davon aus, dass das eigentliche Modell, wie man leben soll, wenn man als Paar zusammenlebt - ob jetzt Männer oder Mann und Frau oder Frauen, das ist egal - dass [in diesem Modell] beide arbeiten und außerdem noch Kinder haben. Ich finde aber, es muss genauso möglich sein, wenn man drei Kinder hat - wie wir alle hier haben - dass einer der Partner auch daheim bleiben kann. Nicht dass ich sage, dass das das Einzige ist, das sage ich gar nicht. Aber die Möglichkeit muss da sein und die muss auch finanzierbar sein und da muss auch was über bleiben für den Partner, der daheim bleibt. Und das ist die Arbeit die am allerwenigsten anerkannt wird.
 
G.Gysi: Das hab ich ja gerade im ersten Fall auch schon genannt. Diese Arbeit ist eben nie anerkannt worden im Geldwert, das ist ein ganz großes Problem.

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Walter: Was ich meine ist, dass sich die Parameter und die Einstellung ändern muss. Sie sagen "Dann sind die Frauen arbeitslos." Wenn eine Frau mit drei Kindern zu Hause ihre Erwerbstätigkeit nicht nach geht, ist sie in Augen der Politik arbeitslos! Das ist Quatsch! [....] Und was ich auch noch sagen will: Wenn eine Frau mit ihrer Beschäftigung aufhört, um Kinder zu erziehen, dann reden alle von einer Unterbrechung ihrer Karriere. Es gibt in den USA zum Beispiel genügend Firmen, die wollen GERADE solche Frauen, die drei Kinder haben, weil die nämlich konfliktfähig und organisationsfähig sind und die sind sozial viel besser einsetzbar.

M. Illner: Chaos-Management, Beziehungs-Management...
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Walter: Und warum kapieren wir das nicht? Was ist denn das Problem? Das muss sich ändern, hier in unseren Köpfen!

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J. Rüttgers: Wir wollen, dass die Chancen aus dem Leben was zu machen, für jedes Kind gleich sind.

Walter: Das funktioniert aber nur, wenn die Eltern ihr Leben leben können, sonst funktioniert das nicht. Weil die Kinder von den Eltern abhängig sind.

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M. Illner: Die BILD Zeitung hat einen 14 - Fragen Test empfohlen, womit Eltern herausfinden können, wie gut sie eigentlich ihre Kinder kennen. Und da wir hier interessanterweise vier Familienväter sitzen haben mit Kindern im noch schulfähigen Alter, machen wir das jetzt einfach mal kurz. Nur Revue passieren lassen, ob Ihnen vielleicht dazu was einfällt. [....] Herr Sittler, haben Sie eine Ahnung, was Ihr Kind von seinem letzten Taschengeld gekauft hat?

Walter: Welches der Kinder jetzt?

M. Illner:
Eins der drei.

Walter:
Irgendeins? Süßigkeiten.

M. Illner:
Das geht immer gut?

Walter:
Ja, die machen das ganz gut. Und Musik. Und ein Teil für den Computer, wo ich nicht genau weiß, was es war, also... (Gelächter) Irgendwas wichtiges für den Computer.

M. Illner:
Aber nicht gleich die komplette Play-Station oder so?

Walter:
Nein, es war nur was für 20 €.

M. Illner: Mehr gibt's nicht bei Ihnen Taschengeld zu Hause?

Walter:
Gestaffelt, der mittlere kriegt 21 im Monat.

Berlin Mitte 4 M. Illner: Ok, dann ist das ja fast wie mit den Kinderfreibeträgen bei Sittlers zu Hause. (sie lacht)

G. Gysi:
Also, das Verfassungsgericht sagt, das ist nicht gerecht, wenn die drei Kinder unterschiedlich Geld kriegen

Walter:
(lacht) Ich bin der Chef da...

G. Gysi: Ja und beim Alter darf man doch auch Unterschiede machen, stimmt.
   
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