"... wie ein Brutkasten für starke Gefühle"
(ZDF Presse, 11.03.05)
 
Er spielt die Hauptrolle in dem neuen ZDF-Samstagskrimi "Gegen jedes Risiko", der Schauspieler Walter Sittler. Im Interview mit dem ZDF verriet er, was die Rolle des Versicherungsdetektives Max so besonders macht, warum gerade eine Familie zum Schauplatz eines Verbrechens werden kann und über Träume, die man realisieren sollte ...
Herr Sittler, mit "Gegen jedes Risiko" lässt das ZDF zum ersten Mal einen Versicherungsdetektiv ermitteln - nicht gerade einer der beliebtesten Vertreter seiner Zunft. Warum hat Sie die Rolle des Max Czerlitzky angesprochen?
Er ist ein Mann, der sich für nichts auf der Welt kaufen lässt, der sich treu bleibt. Er ist loyal, mag aber keinen Kadavergehorsam oder blindes Befolgen von Vorschriften oder Verhaltensregeln. Er lässt sich von niemandem einspannen, das hat mir gefallen.
 
Gleich in seinem ersten Fall gerät Max in eine Familientragödie, von der er auch selbst betroffen ist. Warum kann gerade die Familie ein Nährboden für Verbrechen sein?
Eine Familie ist wie ein Brutkasten für sehr starke Gefühle, für Hoffnungen, Erwartungen, Enttäuschungen. Wenn diese Gefühle und Erlebnisse dort nicht ausgetragen, besprochen, geschätzt und geschützt oder aufgefangen werden, kann sich die familiäre Struktur leicht zu einer Art von Gefühlsgefängnis entwickeln, aus der dann manchmal als einziger Ausweg die Gewalt erscheint, weil Worte nichts mehr bewirken.

Max ist ein Charmeur mit Intelligenz, Witz und einer angeborenen Neugier. Was ist das Besondere an diesem Ermittler?

Er hat eine entspannte, aber starke Empathie für die Menschen um ihn herum, weiß, dass nicht Besitz oder irgendwelche Fertigkeiten den Wert eines Menschen ausmachen und ist durch viele eigene Niederlagen im Leben gelassen geworden, letztlich über das Leben mit seinen unvorhersehbaren Wendungen amüsiert, obwohl er mittendrin steckt.

Die Wahl, vor die Max in einer finanziellen Notsituation gestellt wird, ist keine einfache. Können Sie seine Entscheidung, einen Job zu machen, den er eigentlich nicht wollte, nachvollziehen?
Max Czerlitzky kann in Notsituationen ganz einfach zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden, eine Fähigkeit, die ihm immer wieder zugute kommt, egal, ob es sich um das Leben mit seiner Frau oder die Probleme seiner Mitmenschen handelt. Mit ehrlicher, wenn auch vorläufig zumindest ungeliebter Arbeit Geld verdienen, oder Pleite gehen und das verlieren, woran er und seine Frau hängen - klar kann ich die Entscheidung nachvollziehen.

Wie nah ist Ihnen die Figur Max Czerlitzky?
Sehr nah, fast so wie ein guter Lehrer, beinahe ein Vorbild als Mensch.

Die Ehe mit Ingrid ist für die Rolle des Max ein wichtiger Teil seiner Biografie. Am Set hatte man den Eindruck, dass Sie mit Birge Schade eine ideale Partnerin an Ihrer Seite hatten.

Sie ist für mich eine ideale Partnerin. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin, sie ist eine warme und starke Kollegin, was kann ich mehr wollen? Es ist eine Freude für mich, mit ihr spielen zu dürfen.

Max ist in seinem Leben nicht immer den geraden Weg gegangen, hat versucht, seine Träume zu leben. Heutzutage undenkbar?
Wenn die Menschen ihren Träumen mehr folgen würden und sie zu verwirklichen suchten, hätten wir viele Probleme nicht. Der Pseudo-Rationalismus, der die Lebensmöglichkeiten in realistische und lächerlich-träumerische aufteilt, gaukelt vor zu wissen, wie "richtiges Leben" geht und entspringt zum größten Teil einer Angst vor dem Ungewohnten, Ungeahnten, dem Unerwartbaren, dem gänzlich Überraschenden.
Aber genauso sind Menschen, wenn sie sich trauen, zu sein, was sie ohnehin sind, wenn man sie lässt: überraschend, vielfältig, jeder und jede ganz speziell. Wer seine Träume kennt, respektiert auch die Träume der Anderen und ist neugierig darauf, weil sie so spannend sind.

© 2005 ZDF; Berit Teschner