Volle Kanne
(11.10.07, ZDF)

Ingo Mommsen: Schönen guten Morgen, Walter Sittler.

Walter: Guten Morgen.

I. Mommsen: Heute früh angereist aus Stuttgart-Möhringen, da haben wir Glück gehabt, oder?

Walter: Ach es ging ganz gut. Es war kein Nebel heute und der Taxifahrer hat auch den Flughafen gefunden. Es war also kein Problem.

Walter Sittler

I. Mommsen: Und da Sie nicht mit der Bahn unterwegs waren... Das ist für mich die schönste Schlagzeile des Morgens heute: "Niemand hat die Absicht, einen Bahnhof zu schließen"

Walter: Da kann man sicher sein, dass Bahnhöfe geschlossen werden.

I. Mommsen:
Wahrscheinlich. Aber Sie sind nicht müde, oder?

Walter: Nein, ich bin das gewohnt, wir haben drei Kinder. Die sind eigentlich schon nicht mehr da, aber das früh aufstehen ist überhaupt kein Problem.

I. Mommsen: Ja, die sind mittlerweile erwachsen. Für Ihre drei Kinder haben Sie ein Buch geschrieben, das jetzt auf der Buchmesse veröffentlicht wird. Sie müssen quasi direkt nach unserer Sendung weiter nach Frankfurt. Das Buch heißt Malin. Das sind Briefe im Prinzip an Ihre Kinder.


Walter Sittler

Walter: Ich hab meinen Kindern als sie klein waren, Briefe geschrieben. Da war ich auf einer Theatertournee und ich wollte ihnen irgendwie als Vater nah bleiben und ich dachte mir, wenn ich ihnen irgendwas vom Münster Dom erzähle, ist das irgendwie nicht so interessant.
Da hab ich eine Figur erfunden, die mich begleitet und hab alle zwei Tage an meine Kinder geschrieben und den Tag, wo ich nicht geschrieben habe, an meine Frau. Diese Briefe sind dann gebündelt, etwa 35 Stück und in dem Buch sind jetzt 25. Also wie das kleine Menschlein zu mir kommt und wie er auch wieder verschwindet. Ich musste ihn ja auch wieder verschwinden lassen.

I. Mommsen: Ein kleines Fabelwesen, so eine Art Pumuckl?

Walter: Ja, so was ähnliches und wir erleben verschiedene Abenteuer und er stellt mich auch auf verschiedene Proben, damit das funktioniert.

I. Mommsen: Jetzt ist das Buch aber vor Jahren entstanden und es hat dann doch ein paar Jährchen gedauert, bis es veröffentlicht wurde. War das von Anfang an sicher nicht geplant?


Walter: Nein, das war nicht geplant, das waren einfach Briefe und eine sehr gute Freundin von uns, eine Buchhändlerin hat das gelesen und hat gemeint: "Das musst du doch veröffentlichen!" Dann haben wir das versucht, aber es hat kein Verlag angebissen und dann dachte ich: "Ist doch auch egal, ist doch eh nur für uns" und wollte es als Weihnachtsgeschenk für unsere Kinder machen.
Und der Verleger, mit dem ich das machen wollte, sagte: "Nee, nee, nee, das machen wir gar nicht, sondern ich will das veröffentlichen, weil es ist ein schönes Buch." Und ich sag "Ja aber es ist doch nur für meine Kinder." Und er sagt: "Nee, das ist ein schönes Buch und ich mach das." Und dann hat ein Freund von mir die Bilder gemalt dazu und jetzt ist ein Buch fertig und manchmal frag ich mich, was ich da eigentlich gemacht habe, weil ich ja kein Schriftsteller bin.

Walter Sittler

I. Mommsen: Das sollten Sie sich aber noch mal in Ruhe überlegen.

Walter: Es ist sehr schön und ich mag es sehr gern. Vielleicht hab ich es auch nur gemacht, um meiner Mutter zu gefallen, die auch Bücher liebt. Das ist auch möglich.

I. Mommsen: Wir werden nachher noch über Lieblingsbücher sprechen und haben auch eine ganz tolle Umfrage vorbereitet, denn in den nächsten Tagen ist die Frankfurter Buchmesse, deswegen wollen wir uns auch ein wenig mit dem Thema beschäftigen. Sie brechen also auf in neue Welten, nicht nur was das Buch angeht, sondern auch als Ermittler. Sie sind jetzt "Der Kommissar und das Meer", so heißt die Reihe, die im ZDF kommt und wir werden nachher ein paar Ausschnitte von den Dreharbeiten sehen mit Inger Nilsson, die wir als Pippi Langstrumpf kennen.

Walter: Genau.

I. Mommsen: Das war für Sie sicher auch eine ganz besondere Begegnung.

Walter: Das war sehr schön, weil sie inzwischen eine sehr intensive und lebenslustige erwachsene Frau ist. Und sehr aufmerksam und eine sehr gute Kollegin.

I. Mommsen: Freuen wir uns sehr darauf. [....]

Es folgt ein Bericht über die ersten Fahrradpolizisten in Münster.

I. Mommsen: Klasse. Aber Herr Sittler, war der der Polizist nicht ohne Helm unterwegs auf dem Fahrrad?

Walter: Ich weiß nicht, ob Erwachsene müssen, ich bin selber nicht…

I. Mommsen: Ich weiß auch nicht, aber gut…


Walter Sittler

Walter: Sehr gut, das machen sie gut.

I. Mommsen: Grad diese Fahrradklauer, ich hab schon zweimal ein Fahrrad verloren…

Walter: Wir schon mehrfach. Mit drei Kindern, die zur Schule gehen, gehen Fahrräder verloren, abgeschlossen am Bahnhof, das passiert.

I. Mommsen: Aber da sind keine Fahrrad-Cops unterwegs in Stuttgart-Möhringen?

Walter: Nein, Stuttgart ist eine der sichersten Städte sowieso, in der Bundesrepublik zumindest.

I. Mommsen: Jetzt kennen wir Sie als erfolgreichen Schauspieler, aber wenn man in Ihrer Biographie blättert, sieht man, dass das keine Strickleiter-Karriere war. Erstens war es eine sehr späte und zweitens dann doch über ein paar Umwege, ne?

Walter: Ja, ich wusste nach dem Abitur nicht was ich machen sollte und war damit in relativ guter Gesellschaft, glaube ich. Es ist auch heute bei vielen noch so. Und ich habe einfach alles Mögliche ausprobiert und bin dann in die Schauspielerei hineingestolpert, dachte dann aber gleich: das gefällt mir.

I. Mommsen: Was haben Sie alles ausprobiert?

Walter: Ich hab erst mal Wehrdienst geleistet, ganz normal. [kurzzeitige Bild- und Tonstörung] Ja, ich hab in verschiedenen Firmen gearbeitet als Sekretär und als Maschinist-Gehilfe, um rauszukriegen, ob ich vielleicht Betriebswirt oder so was werden könnte, aber das ging gar nicht. Und dann bin ich zurückgekommen und war im Krankenhaus Pfleger. Ich wollte Arzt werden und hatte auch alles dafür da eigentlich, nur keinen Studienplatz. Und als ich nach 11 Wartesemester keinen Studienplatz bekam…

I. Mommsen: 11 Semester haben Sie gewartet?


Walter: Also 11 anrechenbare Wartesemester, es geht nach dem Abitur los. Und dann hatte ich immer noch keinen und da hab ich gedacht :"So Leute, dann jetzt nicht." Insgesamt denke ich, jeder hat viele Möglichkeiten in sich selber, es kommt drauf an, welche am Ende zum Tragen kommt. Wenn man Glück hat, kommt die Richtige zum Tragen, die Spaß macht.

I. Mommsen:
Sagen Sie noch kurz, wie das Schicksal Ihnen den richtigen Wink gegeben hat Richtung Schauspielerei?

Walter:
Ich war eingeladen auf einer Feier von der Schauspielschule, auf der ein ehemaliger Schulkamerad von mir schon war und hab da mir das so angeschaut und gedacht: " Das ist toll, da kann man die ganze Zeit spielen und wird auch noch bezahlt dafür. Das ist super!"

Walter Sittler

I. Mommsen: Ja, ist auch heute noch so.

Walter: Ja.

I. Mommsen: Es ist eine erfolgreiche Karriere geworden, wir können uns mal ein paar Ausschnitte anschauen, die die Kollegen zusammengestellt haben.

Es folgen Ausschnitte aus den verschiedenen ZDF Filmen und Serien [....]

I. Mommsen: Ja, er kann sich an alle Szenen noch erinnern. Das ist nicht bei vielen Gästen so. An die "Girl Friends" erinnern sich ja ganz ganz viele Gäste noch sehr sehr gerne.

Walter:
Ja, das war eine sehr schöne Zeit.

I. Mommsen:
Das war so der Knaller für Sie, der Durchbruch zum ganz großen Millionenpublikum.

Walter:
Ja, das war der Durchbruch im Fernsehen. Diese Serie hatte einen nicht erwarteten, zwar gewünschten, aber nicht erwarteten Erfolg und deswegen haben wir davon 4 Staffeln gemacht und dann 2001 haben wir noch mal angefangen, noch mal zwei Staffeln. Also eine Staffel mit mir, dann ging es weiter, aber da war ich nicht mehr dabei und Mariele auch nicht.


Walter Sittler

I. Mommsen: Das hat sozusagen auch Ihre Rolle als Frauenschwarm so ein bisschen etabliert. Haben Sie das auch in der Fanpost gemerkt und auf der Straße?

Walter: Ja natürlich, weil man im Theater einem Publikum bekannt ist, das sind vielleicht 8 % der Stadt und plötzlich hat man 15 - 20 % der Fernsehzuschauer in der ganzen Republik. Man merkt das schon. Da wird gekuckt, dann gibt es Briefe, da muss man Bilder schicken, das ist nicht unangenehm.

I. Mommsen:
Ja, wollt ich gerade sagen, mit dem Image lässt sich doch sehr gerne leben, obwohl Sie ja eher der Western-Fan sind. Sie würden gerne mal so Clint Eastwood mäßig - bisschen was mit Hut haben wir im Einspieler schon gesehen, aber…

Walter: Also das mit dem Western ist so eine Sache. Das schöne am Western ist, dass viele äußere Einflüsse, die den Film ablenken, wegfallen und man ist ganz nah am zentralen Thema und deswegen gefallen mir gute Western so gut.

I. Mommsen:
Und weil die Handlung so simpel ist, ne?

Walter: Nicht weil die Handlung simpel ist, sondern weil man direkt beim Thema ist. Es geht um Liebe, Hoffnung, Tod und das sind die Themen, die wir in allen anderen Filmen auch haben, aber dort ist es purer. Und von dem Genre her könnte man sagen, gibt es auch andere Filme, die so klar konstruiert sind. "Fahrstuhl zum Schafott" zum Beispiel ist kein Western, natürlich nicht, aber es ist in seiner Dichtheit und Klarheit und auch extremen Darstellung ganz nah dabei.

I. Mommsen: Es sind so viele Schauspieler schon bei uns gewesen, die alle in einem Western mitspielen wollen, ich glaube wir könnten jetzt so langsam mal gemeinsam einen deutschen Western drehen.

Walter: Ja vielleicht in Mecklenburg-Vorpommern.

Walter Sittler

I. Mommsen: Wie ist das mit Mariele Millowitsch? Sind Sie nach wie vor privat befreundet. Sie haben ja viel zusammen gemacht: "Girl Friends", "Nikola"...

Walter: Mariele ist eine richtig gute Freundin. Das hat 1994 angefangen, als ich sie kennen lernte und das ging über die ganze Zeit bei "Girl Friends", bei "Nikola", über neun Jahre haben wir das ja gemacht und wir vertragen uns eigentlich noch besser als vorher.

I. Mommsen: Aber da war nie was, oder?

Walter: Das ist immer diese Frage, weil man sich das nicht vorstellen kann, dass wenn man so gut befreundet ist, dass da …

I. Mommsen: …nie was war, ja.

Walter: Ich kann sagen, das fördert die Arbeit, so wie wir das haben. Man kann über alles reden, es gibt kein "du warst aber gestern so und ich war so..." Ich hab mit Kollegen gedreht, die verbandelt waren miteinander, das ist manchmal sehr schwierig.


Walter Sittler

I. Mommsen: Ja, das kann ich mir vorstellen. Und dazu sind Sie ja in festen Händen. Sie haben sich mit 33 Hals über Kopf in Ihre heutige Frau verliebt.

Walter: Ja, immer noch.

I. Mommsen: War das wirklich Liebe auf den ersten Blick?

Walter: Ich glaube, das war das, weil als ich sie das erste Mal sah in einem Publikum von 70 Leuten…

I. Mommsen: Sie war im Publikum

Walter: Ja, ich war auf der Bühne, ich sollte was erzählen über einen ehemaligen Internatsleiter von Salem, wo ich zu einer Runde eingeladen war, lang nachdem ich dort weg war.

I. Mommsen: Schloss Salem, sagen wir für diejenigen, die es nicht kennen ist ein großes Internat,, Sie sind lange dort gewesen und Sie waren sogar Schulsprecher.

Walter: Ja, drei Jahre war ich dort. Ich war Schulsprecher, kein glücklicher Schulsprecher, das kann man nicht sagen, ich war auch wirklich kein Internatsschüler, glaube ich. Ich wäre wahrscheinlich besser zu Hause gewesen, aber… Und dann war ich eben bei dieser Veranstaltung und da saß sie und ich hab sie gesehen und hab mir gedacht: "Halt, stehen bleiben! Moment, jetzt muss ich erst mal meine Sache hier zu Ende machen..." Und dann haben wir uns nachher kennen gelernt und dann kam sie zehn Tage später nach Mannheim in eine Vorstellung, was sie vorher auch gesagt hatte, dass sie es täte.

I. Mommsen: Da haben Sie sie eingeladen, natürlich?

Walter: Ich hab sie eingeladen, aber gedacht: "Naja, das sagen sie alle, dass sie kommen und so und dann kommt keiner." Aber sie kam tatsächlich zur Vorstellung und wir haben seitdem unsere Leben gegenseitig nicht mehr verlassen. Und das bleibt auch so.

I. Mommsen: Wohl dem, der so was findet! Volle Kanne Frühstück mit Schauspieler Walter Sittler. Lesen Sie eigentlich noch Romane auf Englisch?

Walter: Selten.

I. Mommsen: Ich frage nicht umsonst. Sie sind in Chicago geboren.

Walter: Ja, ich habe auch gute Verbindungen nach Amerika eigentlich, aber ich übe das Englisch nicht genug, so dass die guten Romane für mich sprachlich schwierig sind. Ich muss da zu viel nachschauen, und dann geht das zu langsam. Es gibt sehr gute Übersetzer und sehr gute Übersetzungen und dann les ich die.


I. Mommsen: Deswegen warte ich auf den neuen Harry Potter. Auf Deutsch natürlich. In Chicago geboren, weil Ihr Vater war Amerikaner - Ihre Mutter Deutsche.

Walter: Mein Vater war Amerikaner. Er ist nach Deutschland gekommen und Deutscher geworden und als ich geboren wurde, war mein Vater als Deutscher in Amerika mit meiner Mutter, die Deutsch-Engländerin ist und ich bin in Chicago geboren.

I. Mommsen: Und Sie sind aber Deutscher?

Walter: Ja.

I. Mommsen: Sie hätten auch die Möglichkeit gehabt, sich für den amerikanischen Pass zu entscheiden?

Walter Sittler

Walter: Hätte ich auch, aber ich bin mit sechs nach Deutschland gekommen und hab die ganze Schule und alles hier besucht. Also ich bin soweit ich das beurteilen kann Deutscher. Wenn ich in Amerika bin, denk ich: "Hier gehöre ich auch so ein bisschen hin." Aber es ist unentschieden.

I. Mommsen: So und so ein bisschen. Der Vater war Literaturprofessor, die Mutter Lehrerin, das ist ein sehr intellektueller Haushalt, oder? Da musste man auch die entsprechenden Bücher lesen. Hatten sie dann was gegen Perry Rodan oder solche Sachen?


Walter Sittler

Walter: Nein, gar nicht. Ich habe Jerry Cotton gelesen, das Heftchen kostete damals 70 Pfennig. Und wir wohnten bei Traunstein in der Nähe und ich musste zur Chorprobe nach München und das langte genau für die Fahrt nach München und zurück. Das war ein Heftchen. Dann hab ich Kommissar X gelesen und dann hat mein Vater mir mit 12 - 13 Dostojevski gegeben. Das hab ich auch gelesen, aber ich fürchte, ich hab das damals nicht verstanden. Das war unheimlich viel. Ich hab nichts verstanden, aber ich habe ein literarisch wertvolles Buch gelesen.

I. Mommsen: Hat dann der Vater die Schauspielkarriere verstanden, waren die Eltern mit vollem Herzen dabei?

Walter: Mein Vater war da schon tot. Er ist 1975 gestorben und deswegen hat er diese ganze Entwicklung überhaupt nicht mitbekommen. Ich glaube auch durch das intellektuelle Schwergewicht durch meinen Vater und auch meine Mutter war ich für die Unis verdorben. Ich glaube, ich musste was ganz anderes machen, um mich aus diesem Schatten - schöner Schatten, aber Schatten - zu befreien. Im Nachhinein kann ich das sagen.

I. Mommsen: Ihre Mutter hat gerade erst Geburtstag gehabt.

Walter: Meine Mutter ist 90, ja.

I. Mommsen: Kuckt sie heute zu?

Walter: Ich hoffe.

I. Mommsen: Ist sie so eine Mami, die fragt, wann ist der nächste Film, wann läuft die nächste Serie?

Walter: Ja, sie möchte immer gern wissen, was kommt und hat auch ein sehr klares Urteil darüber. Das behalte ich Ihnen jetzt aber vor. (er lacht)

I. Mommsen: Das ist ja wichtig, dass da jemand Tacheles mit Ihnen spricht. Jetzt gibt es noch eine ganz neue Karriere. Sie sind unter die Filmproduzenten gegangen. Sie haben einen Dokumentarfilm gemacht, aus dem wollen wir uns erst mal ein paar Ausschnitte ansehen. Es geht ab in die Krim. Das sieht so wunderbar aus. Da haben Sie einen ganz speziellen Mann begleitet.


Walter: Ja, wir haben auch einen sehr guten Kameramann gehabt, der Frank Pfeiffer, sehr gut. Das ist er! Meine Frau war insgesamt vier oder fünf Mal da und sie hat dort bei der Inszenierung zu einer 2500-Jahr-Feier, bei der sie mitgemacht hat, diese Stelzengruppe getroffen.

I. Mommsen: Der läuft nämlich nicht nur auf Stelzen, der baut auch diese phantastischen Masken.

Walter: Ja, und er macht das aus der Hand. Also er schaut, er überlegt sich was er haben will und dann fängt er an zu schneiden. Ganz wenig malt er auf, den Rest macht er aus der Hand. Dabei kommen diese wahnsinnigen Kostüme raus. Das ist ein schöpferischer Mensch.

Walter Sittler

Walter Sittler

Walter Sittler

I. Mommsen: Sehr phantasievolles was da entsteht, aus was für einem Material ist das, Schaumstoff?

Walter: Schaumstoff und dann hat er Kleber und dann besprüht er das. Er macht's aber auch mit Stoff. Das jetzt hat er mit Schaumstoff gemacht.


Walter Sittler

I. Mommsen: Alien 3 für Kinder.

Walter: Ja.

I. Mommsen: Für die Kinder ist das sicher auch nicht einfach, so ein großer Stelzenläufer, der dann plötzlich um die Ecke kommt.

Walter: Ich glaub schon.

I. Mommsen: Das ist ein neuer Schritt in eine ganz neue Richtung, wann kommt der Film heraus?

Walter: Ein ganz neuer Schritt ist das nicht, weil ich schon immer mit meiner Frau gearbeitet habe bei ihren ganzen Musicals, die sie gemacht hat. Wir haben 1996 schon eines verfilmt und jetzt, da sie nicht mehr so viel choreographiert, also keine Bühnengeschichten mehr erzählt, sondern mehr draußen, haben wir 2003 mit diesem Film angefangen. 2005 haben wir's zu Ende gedreht und jetzt ist er fertig und wir haben Ende Oktober Premiere in Stuttgart. Wir zeigen ihn aber erstmal nur in Stuttgart, weil wir noch keinen Verleih haben und wir sind auf drei Festivals eingeladen. Das ist sehr schön.

I. Mommsen: Da drücken wir die Daumen! Das ist eine Herzensangelegenheit auch, oder? Solche Projekte weiter zu verfolgen auch neben der Schauspielerei?


Walter: Einmal eine Herzensangelegenheit und auch weil meine Frau ursprünglich Pädagogin ist und ich selber häng auch sehr an Jugend- und Kindererziehung und Bildung find ich einfach ein ganz wichtiges Thema. Das ist das Wichtigste überhaupt, die wichtigste Investition, die wir machen können. Und mein Buch hängt auch damit zusammen oder der Theaterabend, den wir jetzt machen. Es mag Zufall sein, aber wenn ich das so anschaue, hat das alles einen roten Faden.
Und meine Frau hatte auch bei ihren Bühnenstücken schon eine Art zu erzählen, die ist mit großer Empathie verbunden. Also nicht kitschig, aber große Empathie für die Figuren. Sie verurteilt sie nicht, sondern sie erzählt die Geschichte und kriegt das heraus, was die Menschen ausmacht. Und deswegen ist dieser Film auch so toll, wie ich finde. Natürlich ich bin Produzent, aber ich finde er ist…

Walter Sittler

I. Mommsen: Und sie ist Ihre Frau, aber man merkt, dass sie Ihre Frau immer noch so toll finden und das ist gut so. Drei Kindern, die wollten doch zu Hause bestimmt früher auch immer was Vierbeiniges haben, oder?

Walter: Ja, immer. Es ging meistens um einen Hund und wir hatten zu Hause immer Katzen, meine Frau auch. Also Hund ging nicht, weil wir auch in einer Wohnung im 2. Stock waren. Dann hatten wir als erstes einen Hasen, der lebte auf dem Balkon, das war aber auch nicht so schön. dann durften wir im Vorgarten ein kleines Gehege einrichten und dann lebte er dort, aber das ist dann auch nicht so toll, weil man da immer runter und hoch gehen muss und dann haben wir ihn letztlich an eine andere Familie weiter gegeben mit Einverständnis von Benedikt, weil es sein Hase war. Und da ist der Hase dann in einem Garten alt geworden.

I. Mommsen: Da lebt er heut noch, Hasen leben doch ewig. Wir kucken jetzt mal rein in "Der Kommissar und das Meer", das ist das Krimi-Highlight im ZDF im Dezember. Wir waren schon bei den Dreharbeiten dabei. Da haben Sie gespielt mit einer Partnerin, die wir alle sehr gut kennen.


Walter Sittler

Off: Bitte recht freundlich für den neuen ZDF Krimi "Der Kommissar und das Meer". Und haben Sie die sympathische Dame links erkannt? Das ist Inger Nilsson, besser bekannt als Pippi Langstrumpf. Einst war sie das stärkste Mädchen der Welt, nun gibt sie eine Frau mit starken Nerven.

Inger Nilsson: (auf englisch, wird übersetzt) Es geht um Mord und Totschlag und ich spiele eine Pathologin, ganz schön spannend.

Off: Schwiegermutters Lieblings-Schauspieler Walter Sittler gibt den Kommissar, der auf der schwedischen Insel Gotland mit ihrer Hilfe auf Mörderfang geht.


I. Mommsen: Die erste Folge ist gerade auch auf dem Filmfest in Hamburg auch gelaufen, oder?

Walter: Ja, ich konnte leider nicht dabei sein, aber ich hab ihn natürlich schon gesehen.

I. Mommsen: Und, wie fanden Sie's?

Walter: Sehr gut (er lacht). Sehr gut, es ist ein bisschen anders, der Kommissar hat eine Familie, aber es ist nicht deswegen kitschig oder so, sondern wir haben schon extreme Fälle. Und es spielt auf einer Insel, nicht in einer Großstadt, sondern klein, aber nicht provinziell.

I. Mommsen: A lot of murder, hat Inger Nilsson gesagt, a lot of murder.

Walter: A lot of murder, yes.

I. Mommsen: Ganz ganz viele Tote, wäre auch sonst kein Krimi, ne? Wie war's, mit Inger Nilsson zu drehen?


Walter: Ganz einfach, also wunderbar. Sie ist eine sehr aufmerksame Kollegin und wir sprechen englisch miteinander, aber wenn wir drehen, redet sie schwedisch und ich deutsch.

I. Mommsen: Ist das nicht komisch?

Walter: Am Anfang dachte ich auch: "Hä, wie soll das gehen?" Aber nach einer Weile hat hört man Worte, die man auch versteht, weil ganz weit weg ist die Sprache ja nicht und ich weiß ja, was sie sagt, ich kenne ja den Text. Und dann war das eigentlich ganz normal.

I. Mommsen: "Ich kenn den Text" hat man nicht oft bei Schauspielern (er lacht)

Walter: (lacht) Das war gemein.

Walter Sittler

I. Mommsen: Haben Sie etwas Schwedisch gelernt?

Walter: Nein, nicht wirklich.

I. Mommsen: Was heißt nicht wirklich? So Grüß Gott und auf Wiedersehen und bis gleich. Was heißt bis gleich?

Walter: Bis gleich weiß ich nicht aber Hey do heißt Wiedersehen und Hey hey…

I. Mommsen: Dann sagen wir gleich noch mal Hey do, zu den Kollegen nach München. [....] Einen gutgelaunten Walter Sittler haben wir am Frühstückstisch und auch diese Themen haben wir vorbereitet.

Es gibt ein Film über Buchmessen in den 70er [.....]

I. Mommsen: Das waren noch Zeiten in den 70ern. 1972…

Walter: Daran kann ich mich gut erinnern, da hab ich Abitur gemacht.

I. Mommsen: War's schwer für Sie oder waren Sie ein Musterschüler?

Walter: Nee, bei uns ging es darum, durchzukommen und ich bin ganz gut durchgekommen. Es hat dann nicht für den Numerus Clausus gelangt, weil ich nicht aufgepasst hab, aber... nee, ich war gut.

I. Mommsen: Sie waren auf Schloss Salem, das haben wir vorhin schon kurz erwähnt. Das ist so ein Eliteinternat, sagt man ja eigentlich, oder?

Walter: Also das war die letzte von acht Schulen, auf denen ich war. Ich war da insgesamt drei Jahre.

I. Mommsen: Also "Last exit Salem".


Walter Sittler

Walter: "Last exit Salem" und mein Bruder und ich konnten das auch nur machen, weil wir ein Stipendium bekamen und das war schulisch sehr gut.

I. Mommsen: Sie waren auch immerhin zu zweit, sonst ist Internat nicht so einfach, so weit weg von der Familie und Sie sind ja auch ein Familienmensch.

Walter: Mein Patensohn, der auch auf Salem war, hat's wahnsinnig genossen. Es gibt Kinder oder Jugendliche für die ist das Internat ganz wunderbar und welche für die ist das Internat nicht das Richtige.

I. Mommsen: Gibt's auf Salem jetzt Mädels oder nicht?

Walter: Ja, klar, schon immer. Da war schon immer Koedukation.

I. Mommsen: Ach, die haben gewusst, wie man…

Walter: ...ganz richtig, wie man die Jungs ruhig stellt.

I. Mommsen: Eine Zuschauerin aus Essen hat angerufen und gefragt: "Sie sind immer so gut gekleidet, tragen Sie das auch privat?" Ich mein, er ist doch privat da, oder?


Walter: Ich bin privat da. Aber ich muss zugeben, das ist Kostüm vom letzten Jahr.

I. Mommsen: Kostüm?

Walter: Das kann ich dann abkaufen, denn die Kostümbildnerinnen finden diese wunderbaren Sachen, weil ich eine Körpergröße habe, die nicht immer einfach einzukleiden ist.

I. Mommsen: Wie groß sind Sie?

Walter: 1,94. Und dann eben lange Arme, also so…

I. Mommsen: Extra large.

Walter Sittler

Walter: Extra large, ja. Und dann muss das mit den Kragen stimmen und die finden das und wenn es mir gefällt, dann kauf ich's.

I. Mommsen: Recht so. [.....] Walter Sittler kennt Heidelberg auch ganz gut, aber für eine Stadtführung würde es nicht reichen, oder?

Walter: Nein, überhaupt nicht. Ich war in Mannheim, ich kenne Mannheim besser.

I. Mommsen: Aber dann immer mal ein Abstecher rüber. Was ist mit Ihren amerikanischen Wurzeln? Ihr Vater war Amerikaner. Haben noch viel Verwandtschaft im Amerika, die kennen alle Heidelberg?

Walter: Ja, alle kennen Heidelberg, also Heidelberg ist für die Amerikaner so etwas wie Neu Schwanstein für Bayern insofern ist Heidelberg auch heil geblieben im 2. Weltkrieg, weil die Amis das kannten.

I. Mommsen: Sie sagten, da wollen wir mal hin, das lassen wir in Ruhe.

Walter: Unsere Head Quarters hier, wir bombardieren es nicht.


Walter Sittler

I. Mommsen: Wie oft sind Sie heute noch in Amerika, wie gut ist der Draht zur Verwandtschaft, das ist ja eine Riesen-Family?

Walter: Der Draht zur unmittelbaren Verwandtschaft ist gut, aber ich hab sehr viel Verwandtschaft über meinen Vater, über seine Geschwister und Cousins. Viele von denen ich zum Teil zwar weiß, wie sie heißen, aber sie noch nie gesehen habe, weil ich nicht so oft da war. Seit 2001 bin ich nicht hingefahren, weil es grad ungünstig war zum Zeitpunkt und ich war dieses Jahr seit acht Jahren das erste Mal wieder da.

I. Mommsen: Das ZDF war mit Ihnen auf Ahnenforschung. Das haben viele begeistert gesehen, da waren Sie auch in Letmathe?

Walter: Ja, Letmathe ist in Westfalen, das ist einer der Ursprungsorte meiner Mutters Seite, aber Amerika ist meines Vaters Seite und da haben wir sehr interessante Sachen gesehen. Auch ein Friedhof, wo mein Ururgroßvater und auch mein Urururgroßvater begraben ist. Das war sehr interessant, das hat mir gut gefallen.

I. Mommsen: Bekommt man einen anderen Zugang zur Familie?

Walter: Ja, sie kriegen plötzlich Gesichter. Gesichter und Orte. Wir haben das erste Haus gesehen, das die Sittler-Familie 1872 gekauft hat. Das gibt's noch.


I. Mommsen: Muss man zurückkaufen, oder?

Walter: Und das ist erst 1951 von den Nachfahren verkauft worden.

I. Mommsen: Sind Sie jemand, der dann auch Wert auf Familientreffen und so was legt?

Walter: Ich mag das sehr gern. Ich bin viele Leute gewohnt und dieses Jahr waren wir in Italien über 50. Ich war nur zwei Tage da, weil ich für's ZDF gedreht habe, aber das finde ich sehr wichtig, weil man hat so viele Leute, die nur dazu da sind, mit einem zu reden und zu erzählen, wer sie sind, wie sie sind, was sie machen und ohne Vorbehalte, weil sie alle zur Familie gehören. Das kann ich nur empfehlen, für die die es haben. Die, die es nicht haben, die müssen es anders machen.

Walter Sittler

Es folgt ein Film über Lieblingsbücher.

I. Mommsen: Was muss ein Buch haben, das Sie gleich vom ersten Moment an packt?


Walter Sittler

Walter: Was passiert, wenn's mir gefällt, ist, da geht was - das ist ein bisschen pathetisch - in die Seele hinein und setzt eine Bewegung in Gang, bei der andere Sachen, die draußen sind, an Wichtigkeit verlieren.

I. Mommsen: Man muss ha erst das Buch finden. Gehen Sie da nach der Werbung, nach Kritiken, Empfehlung von Freunden?

Walter: Empfehlung von Freunden und unserer Buchhändlerin zum Beispiel oder Sigrid bringt mir ein Buch oder ich kriege es geschenkt. Manchmal kriegt man Bücher geschenkt, die mach ich auf und denk mir: "Och nee, das gefällt mir nicht, das kommt dann erst mal zur Seite." Aber wenn ein Buch das erwischt hat, dann kann man nicht aufhören.

I. Mommsen: Sie haben eines da mitgebracht, das Sie erwischt hat.

Walter: Ja.

I. Mommsen: Das haben wir jetzt schnell besorgt, weil es bei ihm zu Hause gar nicht mehr im Bücherregal war.

Walter: Ja, ich hab mit sicherem Griff ins Bücherregal gegriffen und da war eine leere Stelle, weil es meine Tochter mit nach London genommen hat. Aber das ist es, wir haben allerdings die Hard-Cover-Version, was mir als Buch auch besser gefällt. Ich mag Bücher sehr...

I. Mommsen: Dieses Haptische...

Walter: Ja. Es ist so und es ist auch etwas anders gedruckt, aber Hauptsache lesen! Ganz egal.

I. Mommsen:
Jetzt müssen Sie aber auch dazu sagen, welches das ist.

Walter: Das ist "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier, der in Echt, glaub ich, Peter Bieri heißt und in Berlin wohnt.

I. Mommsen: Worum geht's da?

Walter: Es geht um einen Schweizer Altphilologen, der Latein und Hebräisch und Griechisch unterrichtet und das sein ganzes Leben gemacht hat und durch ein Ereignis, das ich jetzt nicht erzähle, darauf gebracht wird, dass er einen Teil seines Lebens nicht gelebt hat. Und dieser Wunsch zu leben ist so groß, dass er durch Umstände nach Lissabon fährt und Leute kennen lernt und auch ein Buch dabei hat, das ihm sehr wichtig ist. Ein sehr philosophisches Buch aber nicht unverständlich sondern ganz klar.

I. Mommsen: Sind schon viele Berührungsängste da, wenn schon das Wort Altphilologe fällt, drehen viele wieder um.

Walter: Das ist nur der Ausgangspunkt. Er selber kommt dann in ganz verschiedene Geschehnisse hinein. Man erfährt auch viel über die Geschichte Portugals, von der wir normalerweise sehr wenig wissen, also ich wusste nicht sehr viel davon. Und diese Gedanken, die der portugiesische Arzt, der dieses Buch geschrieben hat, wegen dem er überhaupt dort ist, die durchweben das ganze Buch. Das ist unglaublich spannend erstmal was passiert und sehr menschlich und es zeigt auch, dass es Sachen gibt im Leben, die man nicht lösen kann. Und das ist einer der vielen Punkte, die mir an diesem Buch sehr gut gefallen, denn wir haben immer das Gefühl, wir können alles lösen, das stimmt aber nicht. Es gibt unlösbare Dinge im Leben, das muss man akzeptieren lernen.

I. Mommsen: "Nachtzug nach Lissabon" nehmen wir als Empfehlung mit in den Tag und das passende Rezept dazu hat Armin Rossmeyer.

I. Mommsen:
So ein Muffin beim Lesen ist doch eigentlich auch gut.


Walter: Würde draufkrümeln, ich weiß nicht (lacht)

I. Mommsen:
Also meine Bücher sind alle verkrümelt.

[....]

I. Mommsen: Volle Kanne Frühstück mit Schauspieler Walter Sittler und so vielen Komplimenten. Eine Zuschauerin hat aus Dortmund angerufen und gesagt, sie mag vor allen Dingen natürlich die romantischen Rollen, da sind die Frauen ganz begeistert. Eine Zuschauerin wollte auch mal wissen, welche Eigenschaften an Frauen Sie besonders mögen.

Walter: Dass sie Frauen sind. (er grinst)

Walter Sittler

I. Mommsen: Dass sie Frauen sind, ich find auch, manchmal reicht das schon als Grundvoraussetzung. Demnächst kann man Sie noch näher erleben, denn erstmals sind Sie nicht ganz allein, denn Sie haben ein bisschen Unterstützung, aber Sie sind wieder auf der Bühne unterwegs.

Walter: Auf der Bühne mit über 50 Vorstellungen mit Erich Kästner mit seiner Autobiographie, die wir zusammengestrichen haben auf einen Theaterabend und den erzähl ich dem Publikum mit seinen Worten, nicht mit meinen, also das ist alles auswendig.

I. Mommsen: Mit Musik.

Walter: Mit Musik. Nicht die ganze Zeit, aber die Musik ist ein bisschen wie Filmmusik. Manchmal eigenständig und die ist für uns komponiert worden, das ist sehr schön geworden.

I. Mommsen: Haben Sie ein bisschen Muffensausen alleine dann auf der Bühne? Die Bühne kennen Sie ja von früher, aber ohne Kollegen, die man als Anspielpartner hat?

Walter: Ich hatte 15 Jahre Bühnenerfahrung, ich dachte nie, dass ich so was alleine würde machen wollen, weil ich dachte immer Theater ist zu zweit. Aber in diesem Fall hab ich das Publikum als Partner, weil ich dem Publikum das erzähle und die 30 Vorstellungen letztes Jahr waren so schön und so sehr erfolgreich - überraschend für mich auch, dass es so gut funktioniert - dass wir gesagt haben, wir machen's noch mal. Ja und es macht Spaß.


Walter Sittler

I. Mommsen: Können wir ein bisschen was hören? Ein kurzer kleiner Kästner-Ausschnitt?

Walter: Ein kurzer kleiner, der das Verhältnis von ihm zu seiner Mutter ein bisschen näher erklärt [er spielt einen kurzen Ausschnitt aus dem Stück] Wer mehr hören will, muss in die Vorstellung kommen.

I. Mommsen:
Am 9. November geht's los im Admiralspalast in Berlin. Kästner auch ein klasse Autor, der eigentlich gar nicht so der klassische Kinderbuchautor ist, als den wir ihn immer im Hinterkopf haben. Der hat teilweise recht deftiges Zeug geschrieben.

Walter: Erstens deftiges Zeug, also auch kabarettmäßig und er hat eine ganz klare Haltung. Und ich glaube, das mit dem Kinderautor ist dadurch zustande gekommen, dass seine Bücher im Dritten Reich verbrannt worden sind und man das im Nachhinein nicht rechtzeitig rehabilitieren konnte, so dass die Erwachsenen es gar nicht gemerkt haben, was der zu sagen hatte. Das ist ein ganz außerordentlich klarer Autor auch mit einer klaren Haltung zur Welt und mit sehr großer Empathie den Figuren gegenüber und er schreibt nur über Sachen, von denen er wirklich viel versteht.

I. Mommsen: Da sollten sich mehrere Autoren daran halten.

Walter: Na, das weiß ich nicht, man soll ihn vor allen Dingen lesen.

I. Mommsen: Tolles Buch. Die Buchmesse... da hat sich aber viel getan in der Buchvermarktung. Mittlerweile sind Autoren richtige Superstars geworden, wenn man auch so Belletristik-Autoren, Stephen King etc.


Walter: Ja, einige. Das ist auch die Sucht nach Helden und Stars, die wir in unserer Zeit haben. Aber die meisten arbeiten im Verborgenen und müssen schauen, wo sie bleiben.

I. Mommsen: So ein Buch schreiben ist harte Arbeit. Haben Sie das auch gemerkt bei Ihrem Kinderbuch?

Walter: Für mich war das keine Arbeit, denn ich hab ja Briefe geschrieben. Ich wusste, ich hab von 11 bis 2 Uhr Zeit, dann muss der Brief fertig sein und nach einer Weile war das so, nach der sechsten Geschichte etwa, dass es fast schon eine zwanghafte Lust war, weil man wollte eine Geschichte erzählen. Ich wusste nicht genau was, dann setz ich mich hin und sehe irgendwas, ah das könnte passieren oder es findet alles im Kopf statt, das ist unheimlich lustvoll.

Walter Sittler

Walter Sittler

I. Mommsen: Drücken wir die Daumen für "Malin", jetzt auf der Buchmesse veröffentlicht, und haben Sie viel Spaß dort auf der Messe in Frankfurt. Zwei Fragen noch ganz kurz mit der Bitte um kurze Antworten. Wann gibt's wieder einen Kracher mit Ihnen und Mariele Millowitsch wollten ganz viele wissen.

Walter: Sobald wir ein brauchbares Drehbuch haben.

I. Mommsen: Und dann wollten ganz ganz viele wissen, was Sie sich als nächste Rolle vorstellen könnten oder ist da schon was in trockenen Tüchern?

Walter: Nein, da gibt's noch nichts. Im Theater könnt ich's Ihnen sagen.

I. Mommsen: Was wäre das?

Walter: Das wäre der Arzt in "Onkel Wanja".

I. Mommsen:
Dann wünschen wir Ihnen alles Gute, dass das klappt. Wir frühstücken in Ruhe fertig, wünschen Ihnen noch einen traumhaften Tag.

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