| Auf der Spur meiner Ahnen (ZDF, 25.07.07) |
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Walter: Die Familie ist für mich, emotional und von meinem gesamten Gefühl her die Heimat, die ich habe, weil ich keine Heimat besitze. Wir sind immer so viel umgezogen und ich hab in so vielen Städten gelebt und Häusern und Wohnungen und auch in verschiedenen Ländern, so dass ich sozusagen meine Heimat immer mitgenommen habe: die Familie. Das heißt nicht, dass der Beruf unwichtig ist, überhaupt nicht, aber wenn ich wählen müsste zwischen Beruf oder Familie, würde ich Familie wählen. Eingespielt werden u.a. Ausschnitte aus "Der Wüstenrose",
"girlfriends" |
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Walter: Alles, was man nicht genau weiß,
kann einen beschäftigen, umtreiben und man kann es nicht lösen,
weil man es nicht weiß. Wissen macht freier und ich möchte
gern, dass die Kinder etwas über die Familie wissen. Über meine
Großeltern weiß ich zum Beispiel so gut wie nichts, also ich
kenn die gar nicht. Und ich wüsste einfach gern ein bisschen mehr...
das ist ein bisschen...
Sigrid: Das ist zu wenig, Walter. Wenn ich bedenke: meine Großeltern
von beiden Seiten, die ich ja lang und gut gekannt hab... das ist ja
ein Reichtum und ein wichtiger Teil meines Lebens. |
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Sigrid: Hat mich geprägt, genau, die Großmütter ganz besonders. Das finde ich so spannend daran, was habt ihr Kinder von diesen Großeltern von Walter, die nicht mal er richtig gekannt hat. Walter: Das ist das einzige von meinem Vater, was übrig ist.
Das kriegst du dann, Daddys Uhr. |
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Walter: Die muss er bekommen haben, als er in Deutschland war.
Er ist 1937 nach Deutschland gekommen. |
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Off: Walter Sittlers Vater, ein Amerikaner, kam
mit 21 Jahren in der Nazi-Zeit nach Deutschland.
Walter: Diese Uhr hier hat er sein Leben lang getragen und ich werde sie einschicken und dann rauskriegen, was passiert. Off: Die Uhr wird in der Firmenwerkstatt unter die Lupe genommen. Spezialisten sollen herausfinden, an wen solche Uhren geliefert wurden. Hat Walters Vater sie wirklich in Deutschland bekommen? War's etwa ein Geschenk der Nazis? Nach dem Krieg konnte der Literaturprofessor in den USA nicht wieder Fuß fassen. Walter ist der Jüngste von acht Kindern, geboren in Chicago, aufgewachsen in Deutschland. |
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Walter: Das hier ist das Fotoalbum, das meine Mutter mir zur Hochzeit
geschenkt hat und das beinhaltet Bilder von der Zeit meiner Geburt bis
einschließlich der Hochzeit. Das haben alle meine Geschwister bekommen,
man bekommt es aber nur einmal, also die, die mehrfach geheiratet haben,
kriegen nur eins. |
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Diese ganze Zeit, diese ganzen Jahre, nix und das ist falsch. Das möchte
ich nicht so machen, auf keinen Fall und ich möchte gern viel rauskriegen,
so viel wie ich kann. Es gibt nicht mehr so wahnsinnig viel, weil viele
schon tot sind. Meine Mutter ist letztlich die einzige, die etwas weiß. |
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M. Sittler: Sekretärin, ja. Ich hab dann über
das auswärtige Amt einen Job gekriegt und da hab ich Edward kennen
gelernt, denn bevor ich diese Anstellung wirklich kriegte, wurde er hereingerufen,
als junger Mann, er sollte bitte mein Englisch prüfen. Und dann dachte
ich: "oh Gott, ich werde ihn einfach mal einladen, den Edward."
Das haben wir dann gemacht. Und dann war das aber so komisch, wir gingen
in den UHU, eine Bar in Berlin und das lag ihm überhaupt nicht. Irgendwo
war er ein Puritaner.
Walter: Aber warum war er tatsächlich nach Deutschland gekommen? M. Sittler: In Deutschland imponierte ihm so vieles. Diese Straffheit, diese ganzen Sprüche, die wir damals hatten "Gemeinnutz vor Eigennutz" und all dieser Kram. Walter: Er war Übersetzer beim Rundfunk? |
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M. Sittler: Ja, er hatte sich als Student darum beworben. Er brauchte
Geld. |
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Walter (liest): "Jede deutsche Propaganda für das Ausland
muss eine nationalsozialistische Kriegspropaganda im repräsentativsten
Sinne sein. Sie muss nicht nur die militärischen sondern alle nationalen
Ereignisse und Kräfte im Lichte der Weltanschauung übersetzen
und darstellen. Die eben weil sie die völkischen Kräfte befreite
und aufs Höchste steigerte, notwendigerweise durch Krieg bekämpft
wird von einer angelsächsischen Staatenkonstellation, deren eigene
organische Schwäche sie eine Gesundung und Selbstbehauptung des Reiches
als Gefahr und Herausforderung finden lässt." |
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Walter: Also einmal haben wir da die Gau-Kartei mit seinem Eintritt
in die NSDAP. Seinen Mitgliedsausweis, den hat er selber gehabt, den gibt's
ja nicht mehr. |
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L. Sittler: Er war ein überzeugter Nazi, 100
%, ein richtiger Brandstifter.
K. Sittler: Und wenn ich dran denke, entspricht das eigentlich auch seinem Charakter. L. Sittler: So ist es, ja. K. Sittler: Immer war alles, was er tat 100%, nicht halbwegs, deswegen war er auch so "beliebt" bei seinen Kollegen. |
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Off: Die Auseinandersetzung mit dem Vater war kein leichtes Kapitel.
Früher war er ihr Idol, unerreichbar sein Wissen, sein Charme. Vater
Edward mit seinen fünf Söhnen. Keines deracht Kinder hat sich
je getraut, das übermächtige Familienoberhaupt nach der Vergangenheit
zu fragen. Der Vater hat sich einer Idee untergeordnet, gab es das schon
in früheren Generationen? |
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Walter: (am Telefon): Do you know who was the first
Sittler to arrive in the States? - Yeah, middle of the 19th century, yeah.
- John F Sittler, born 1785, oh in
in the States - yeah, 1873, ok,
thanks a lot Barbara, yeah, bye.
Meine Cousine Barbara, die in Chicago lebt, hat mir jetzt gesagt, dass der erste Sittler, der in Amerika angekommen ist, ein gewisser John F. Sittler war, der einen Sohn hatte, ebenfalls John F., die hießen aber vor der Auswanderung Jean und der Ort, aus dem sie ausgewandert sind, ist Mussigheim. Off: In Straßburg trifft sich Walter mit Rene Issla, der in der Region schon lange Ahnenforschung betreibt. In alten Kirchenbüchern macht Rene Issla eine Entdeckung. Walters Vorfahren sind erst im 18. Jahrhundert ins Elsass gekommen. |
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Walter: Gibt es einen Sittler Jean? |
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Walter: Das ist nicht wahr (lacht). Und warum sind die nach Mussig
gegangen, warum sind die nicht in der Schweiz geblieben? |
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Walter: Warum denn nicht? |
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Off: Im Rathaus von Mussig erfährt Walter,
dass im Ort ein Jean Claude Sittler lebt.
Walter: Das ist wirklich spannend, ob da jemand da ist. (telefoniert)
"Hallo! Darf ich deutsch sprechen? Sprechen Sie deutsch? - Ich
bin Walter Sittler aus Deutschland. Ich bin auf der Suche nach meinen
Vorfahren und ich weiß, dass meine Vorfahren aus Mussig kommen.
Und ein Jean Sittler ist Mitte des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert.
Wissen Sie irgendetwas darüber oder gehören wir irgendwie
verwandtschaftlich zusammen? - Das ist nicht wahr! Meinen Sie, ich dürfte
sie anrufen oder bei ihr vorbei gehen - wunderbar, das ist wunderbar.
Also wir sind hier im Büro und warten einfach. - sehr schön,
vielen Dank, bis gleich! - ja, tschüß." |
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Walter: Guten Tag, sind Sie Jean Claude Sittler? |
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M. Marière: Ja, das war wieder eine Schwester, das war
also eine Familiengeschichte, aber was aus diesen Familien dann geworden
ist... |
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Off: Remy Loussé vom Geschichtszirkel in
Mussig sieht mit Walter auf dem Dachboden nach, ob es dort noch Dokumente
von den Sittlers gibt. Um 1850 gab es eine große Hungersnot. Viele
Familien sind damals ausgewandert. Ihre Pässe sind der Schatz des
kleinen Archivs.
R. Loussé: (zeigt auf ein Dokument) Sittler Walter: Das ist der Jean? R. Loussé: Ja, das ist der Jean. Walter: Der ist alleine gegangen? R. Loussé: Der ist allein gegangen, ja. |
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Walter: Und er hat eine Kopie von diesem Ding dann immer dabei.
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Barbara: Sieh mal das hier! Es ist nicht komplett, aber verdammt
gut. Das ist ein Buch, das mein Vater Joseph, bestellt hat bei der Schwiegermutter
von meiner Schwester Baye, denn sie ist Geneologin. Und hier: Jean Sittler,
Witwer, er ist in die USA eingewandert zusammen mit seiner Tochter Katharina
und Moritz Fritsch. Sie kamen aus Nordfrankreich, Elsass. |
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Walter: Wo war das? |
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Off: Walter und seine Cousine Barbara auf Spurensuche
nach den ersten Sittlers in Amerika. Was erwartete die Einwanderer in
diesem einsamen Landstrich von Illinois. Gibt es auf dem Friedhof von
St. Mary's in Hooppole noch Gräber ihrer Vorfahren?
Barbara (lacht): Ist das nicht toll? Walter: Das ist, er ist... Barbara: Er war das. Walter: In den französischen Papieren heißt er Jean, Jean F Sittler, geboren 1785. Barbara: Und ich glaube, das ist der Vater von Katharina, die Moritz Fritsch geheiratet hat. Also alles Fritsch und Sittler. |
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Walter: Ja, und sein Sohn Jean ist der, der 1849 in die USA kam,
verheiratet mit Annemarie Engel. |
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Thomas Church: Hallo ich bin Thomas Church.
Walter: Walter Sittler, hallo. Barbara: Und ich bin Barbara Sittler, guten Tag. Walter: Meine Cousine. Und Sie, ein Sittler-Nachfahre? |
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Barbara: Warte, dein Urururgroßvater ist John Sittler? Dann
sind wir alle... |
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Off: Hier leben noch Indianer als der Urururgroßvater mit geliehenem Geld Boden kauft. Sumpfland, das die Sittlers trocken legen. Die Familie aus Mussig bleibt vorerst zusammen. Ohne gegenseitige Hilfe geht es nicht. Der Glaube wird ihre Stütze. Bis sich die Familien das Geld für ihre Kirche erarbeitet haben, findet der Gottesdienst reihum in den Wohnstuben statt. Mit 55 Dollar gibt der alte John Sittler die höchste Summe für die Kirche St. Maries. Auch seine Tochter Katharina engagiert sich in der Gemeinde, ist sogar befreundet mit Indianern. Viele Nachfahren von John verließen Illinois, andere sind bis heute hier zu Hause. Alle (der Reihe nach): Shelley Church, Thomas Church, Walter Sittler, Barbara Sittler, Shirley Heinzler, Barbara Stout, Bob Stout. |
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Off: Die ehemalige Farm der Sittlers, nur ein paar Meilen von
Hooppole entfernt. Kaum zu glauben, aber Farmer Werman Blacker hat noch
die alten Kaufverträge. Walter: Und wie lange haben die Sittlers hier gelebt? |
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W.Blacker: Die lebten hier... |
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Walter: Ich wusste nicht, dass sie doch ein relativ gutes Leben
hatten, im Verhältnis zu dem, was sie im Elsass hatten. Und dass
sich das durchgezogen hat bis heute eigentlich. |
| Barbara: Also, ich kann dazu nur sagen, dass Joseph,
unser Großvater immer bedeutender wurde, auch seine soziale Stellung
und auch Minnie Vieht, die aus einer gebildeten Familie stammte. Das war
eine Familie, die Ansehen in der Gemeinde hatte und die waren auch sehr
bemüht, dass ihre Kinder - unsere Eltern - intelligent und gut ausgebildet
waren. Walter: Sie sind alle aufs College geschickt worden. Barbara: Ja, und für die gehörte es dazu, auch mal nach Deutschland zu gehen. Walter: Warum? |
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Barbara: Weil das ein wichtiger Teil ihrer Bildung war. Deutschland
war die Wiege der Zivilisation. Also in den Vereinigten Staaten, glaube
ich, wollte niemand verstehen, was da in Deutschland passierte. Nicht
1933, 1937 und sogar noch 1939, als Hitler in Polen einfiel. "Wir
wissen nichts darüber, wir sind neutral..." Tja und er ist ja
sogar noch vor dieser Zeit gegangen. Und dann die Geschichte, die mir
erzählt wurde. Erst ist Edward weg und dann Charles. Und dann saßen
sie in Deutschland in der Falle und konnten nicht mehr raus. Zu blöd.
Das war die erste Geschichte. |
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Off: Die Wiedereinbürgerung in die Vereinigten
Staaten wird Edward Sittler für immer verwehrt. Auch an der Universität
Everston bei Chicago hat der Vater nur ein paar Monate lang unterrichtet.
Barbara: Es gab große Proteste, als er hier als Dozent angefangen hat. Off: Es geht weiter nach Columbus nach Ohio. Während Walters Vater im deutschen Rundfunk Propaganda machte, war der Großvater Präsident der Synode der lutherischen Kirche. Was für eine Beziehung hatte der Vater damals zu seinem Sohn Edward? Das weiß auch Barbara nicht. Vielleicht gibt es in seiner letzten Pfarrstelle noch Zeitzeugen, die sich erinnern. Farmer Johns Sohn Joseph Andrew ist Ingenieur. Seiner Frau zuliebe tritt er zum evangelischen Glauben über. Sein zweiter Sohn bringt es in Columbus zum bedeutenden Pfarrer. |
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Off: Walters Großvater ist der Gründungspfarrer der
Holy Trinity Church. Bill Lingo, ein altes Gemeindemitglied erinnert sich
gut. Vor fast 70 Jahren wurde er von Joseph konfirmiert. |
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Walter: Ja, hier muss es gewesen sein. Hier hat
das Haus meines Großvaters gestanden, ungefähr hier, das ist
die Nr. 77, das ist jetzt die Nr. 91 und das war die Hausnummer 85. Und
das muss ein sehr großes Haus gewesen sein, damit auch die vielen
Kinder und Angeheirateten der Kinder kommen konnten und hier sein konnten.
Leider hab ich selber keine Erinnerungen daran, ich war zu klein.
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Walter: Es ist ganz schön zu erleben, wie die das gemacht
haben. Dass sie mit nichts losgefahren sind in die USA und die nächste
Generation also der Joseph, der in Amerika geboren ist, hatte schon eine
Farm, seine Kinder sind schon Professoren, Priester, Unternehmer geworden.
Also es ging sehr schnell. |
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Off: Inzwischen liegt Walters Uhr samt Gutachten
wieder auf seinem Schreibtisch in Stuttgart.
Walter: (liest vor) "Sehr geehrter Herr Sittler. Bei Ihrer
Uhr handelt es sich um das Model E101B, das für die englische Royal
Air Force im Jahr 1949 gefertigt wurde." Das ist jetzt komisch,
denn 1949 war Daddy in den USA und Verbindung zur Royal Air Force kann
es nur gegeben haben über die Verwandten meiner Mutter. (zu seiner
Mutter) Ich weiß von Daddys Seite jetzt eine ganze Menge, aber
kaum was von der Overweg Seite. Ich weiß nur, dass dein Vater,
ein christlicher Kaufmann war. |
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Off: Charles Overweg ist Reis-Händler in Rangun in Indien. Dort verkehrt er fast ausschließlich mit Europäern. Auch seine Frau Lilly holt er sich aus Deutschland. |
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M. Sittler: Da war dann ein wunderbares Haus mit vielen Angestellten, immer unglaublich richtig kolonial, kann ich dir sagen. Walter: War er Deutscher oder Engländer eigentlich?
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Off: Charles Vater, Karl Gottfried Overweg, geht um 1870 nach England, wie seine Schwester Klara, verheiratete Deneke. Zusammen mit ihren beiden Töchtern Helena und Margaret wohnt sie später in Oxford. Walter reist nach Oxford. Über die weltoffenen Vorfahren der Mutter, seinen Urgroßvater Karl Gottfried und dessen Schwester Klara will er mehr erfahren. Wer waren sie? Er trifft seine Verwandte Maria Fox. Sie hat Klaras Töchter Marga und Lena noch persönlich kennen gelernt. |
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Walter und Maria begrüßen sich Walter: Maria, sag mal, was weißt du über meinen Großvater? M. Fox: Vielleicht kam es wegen dem Spekulieren, Karl Gottfried starb jedenfalls ziemlich früh. Und dann hat sich seine Schwester Klara sehr um seine Familie gekümmert. Walter: Um die vielen Kinder M. Fox: Um die vielen Kinder. Und der älteste von den sieben Kindern war, glaube ich, dein Großvater. |
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Walter: Ja, genau, das war Charlie, der in Rangun war. |
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Walter: Und was verbindet Klara hier jetzt mit dem College genau? |
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M.Fox: Das ist das Haus Gangfield und da haben Lena und Marga
gewohnt bis an ihr Lebensende. Da stand früher ein ganz riesiger
Konzertflügel. |
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Off: Steht in den Memoiren von Marga und Lena auch etwas über seinen Großvater? Warum ging Charlie ausgerechnet nach Indien? Das Foto zeigt seinen Großvater in jungen Jahren mit seinen Cousinen vor dem Haus der Denekes. Seiner Tante hat Charlie viel zu verdanken. Lena schreibt: Walter (liest): "Als der Bruder meiner Mutter als Bankrotteur starb und seine Frau in einem Heim für geistig Kranke war, wurden diese sieben jungen Leute der Verantwortung meiner Eltern übergeben. Charlie verhalf man zu einer aussichtsreichen Arbeit in Rangun." |
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Off: Walters Mutter ist in England geboren als Tochter des Reishändlers Charles, der in Indien war und später wieder nach Deutschland ging. Sein Vater Karl Gottfried lebt als Kaufmann in England. Er ist der Sohn des Rechtsanwalts Karl Overweg, der Mitte des 19. Jahrhunderts ein angesehener Politiker ist. In Letmathe im Sauerland steht noch das Haus des Ururgroßvaters. Was hat die Overwegs von hier aus in die Fremde getrieben? |
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Walter: Er hier ist August Overweg, das ist der Bruder meines
Urgroßvaters und die beiden waren Kinder von Karl Overweg, der in
der Familie Karl der Große genannt wird. |
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Walter: Hat er dann das Leben von jedem nicht sehr stark bestimmen
wollen? |
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Walter: Kann das nach England gehen von Karl auch
ein Akt der Ablösung von diesem übermächtigen Vater gewesen
sein?
J. Overweg: Dass er dabei sich auch ein bisschen löste aus dem Einflussbereich seines Vaters ist nicht auszuschließen. Walter: Wann ging denn das mit der Politik los? Also ich weiß ja, er heißt bei uns "Karl der Große". Wann ging die politische Karriere wirklich los? Denn er war ja dann am Ende im Reichstag, 1871 - 73. J. Overweg: Ja, 1871 - 73. Ich glaube schon die Tätigkeit 1848 in der Paulskirche war für ihn die endgültige Entscheidung zur Politik. Aber das er überhaupt dazu gewählt wurde, lässt nun auch darauf schließen, dass er da schon den Ruf hatte, der richtige Mann zu sein. |
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Walter: Weißt du, woher der Name "Karl der Große"
kommt? War das mehr ein Witz in der Familie oder wie kam das eigentlich
zustande? |
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Off: Die Zeitreise in die Vergangenheit endet. Hat die Spurensuche
Walter neue Einsichten gebracht? |
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Walter: Unsere Vorfahren, also auf meiner Seite
waren größtenteils Tagelöhner, also arm.
Sigrid: Das bist du heute noch (sie lachen) Walter: Das bin ich heute noch... |
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