Grabbe CD Cover
"Man könnte ihn einen betrunkenen Shakespeare nennen"
 
Grabbe - Eine tragödie in Briefen
ausgewählt von Walter Gödden, gelesen von Walter Sittler & Marcel Keller
(Audio-CD, August 2002)

aus dem Verlagskatalog

"... will ich hier nur bemerken, dass besagter Dietrich Grabbe einer der größten deutschen Dichter war." (Heinrich Heine)


Christian Dietrich Grabbe (1801 - 1836) war neben Georg Büchner der Wegbereiter des modernen deutschen Dramas. In seinen Stücken wird Geschichte in kraftvoller und desillusionistischer Weise vergegenwärtigt. Zu den wesentlichen Dramen gehören u.a. "Herzog Theodor von Gothland" sowie "Don Juan und Faust" (uraufgeführt am 29.03. 1829, erste und einzige Inszenierung eines Stückes zu Lebzeiten). Das berühmte Lustspiel "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" hingegen trägt grotesk-fantastische Züge. Grabbe war mit Tieck, Heine und Immermanns befreundet. Er starb verarmt und einsam im Alter von 34 Jahren.

Walter Gödden hat aus den Briefen von Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) eine lebendige Biografie geschaffen, die den Hörer sofort in den Bann zieht und Grabbe als einen "heutigen" Menschen erscheinen läßt. Gödden hat bereits mehrere Bücher verfasst, u.a. über Annette von Droste-Hülshoff ("Die andere Annette", 1992)

aus dem Booklet
Die auf der vorliegenden CD dokumentierten Szenenfolge liegen etwa 1500 Seiten Grabbe-Briefe zugrunde. Zu Gehör gebracht werden davon nur Bruchstücke - ganze 25 Seiten im Typoskript. Schon dieser Umstand deutet an, dass es sich um eine sehr subjektive Auswahl handelt. Andererseits wurde nur auf authentische Zeugnisse zurückgegriffen, die aussagekräftiger scheinen als all die Grappe-Anekdoten und -Legenden, die schon früh um den Detmolder Dichter ins Kraut geschossen sind.
Aus Grabbes Briefen erfährt man eigentlich alles über diesen so verqueren Charakter. Hoffnung und Hoffnunglosigkeit liegen dicht beieinander, hochfliegender Geist und abgrundtiefe Abstürze. Grabbe en lettre - das ist Grabbe pur, unter Hochspannung.
Grabbes Briefe sind ein Musterbeispiel für Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. Man liest sich fest, kommt nur schwerlich von der Materie los. Und ist immer wieder bass erstaunt über den verwegenen Strategen Grabbe und das, was er mit seinen Briefen anzündet bzw. anzuzetteln versucht. Die Geistesblitze funkeln nur so, und in Grabbes - zugegeben - wenigen guten Tagen jagt ein bizarrer Gedanke den nächsten. Jemand, der sich in Briefen inszeniert, wie nur ein Dramatiker zu tun vermag. Ein Leben, furios dramatisiert wie ein tragödie und mit einem Finale, das kaum niederschmetternder auf die Bretter dieser Welt hätte gestellt werden können.
Grabbes Briefe: Schachzüge, Klimmzüge, Winkelzüge. Grabbe, eine Spielernatur hinter den Kulissen, weil er sich, menschenscheu wie er war, kaum vor den Vorhang traute. Eine zumindest auf dem (Brief-)Papier kraftmeierische Figur, die aus ihren Widersprüchen lebt, die aber auch, durch eben diese Zerrissenheit, noch heute urvital und lebendig erscheint.
Auch noch im Jahr seines 200. Geburtstags, das am 11. Dezember 2001 eingeläutet wurde. Grabbe ist kein Mega-Event, kein Grabbe-Superstar, um das Programm eines bekannten Rezitators abgewandelt zu zitieren. Aber Grabbe ist auch nicht mausetod. Er ist noch immer eine Herausforderung - das beweisen gleich mehrere neue, noch druckfrische Monographien, serienweise Feuilletonartikel, zahlreiche Veranstaltungstage in Detmold, inklusive Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek und unlängst eine - man will es kaum glauben - einstündige Fernseh-Talkrunde über das so unglückselig gescheiterte Detmolder Genie.

Weitere Details
 
Text Walter Gödden
Regie Marcel Keller
Klavierszenen Gerd Baumgarten
Gesamt-Spielzeit 63 min
Preis 15,40 €
Erscheinungstermin August 2002
Verlag Pendragon, Bielefeld
ISBN 3-934872-32-8