Tolstoi & Tschaikowsky - Herbst 2003
 
Bei dieser Veranstaltung aus der Reihe "Chormusik und Literatur" des Motettenchor Frankfurts liest Walter aus der Novelle "Vater Sergius" von Leo Tolstoi. Der Motettenchor singt dazu Werke von Tschaikowsky und Rachmaninow. Die Veranstaltung fand am Freitag, 26.09.03 in der St. Laurentiuskirche in Usingen, am Sonntag, 28.09.03 in der Aula der Universität Frankfurt und am 12.10.03 auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Bericht zu den Lesung in Usingen und Frankfurt
   
Kritiken

Die Zeitungs-Kritiken zu dieser Veranstaltung waren durchweg positiv für Chor, Walter und eben das gesamte Konzept. Hier beschränke ich mich also auf die Ausschnitte, die Walter betreffen, ohne damit die Qualität der Chor-Leistung abwerten zu wollen :-)

Usinger Anzeiger, 28.09.03

[....] Im Rahmen der „Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen 2003/04“ haben der von Thomas Hanelt dirigierte Motettenchor Frankfurt und der Schauspieler Walter Sittler (ob dieser ambitionierte Künstler freilich gut beraten ist, sich durch die Mitwirkung in einer Serie wie „Girl Friends“ zu profilieren, ist eine andere Frage) ein ebenso hochkarätiges wie originelles Programm erarbeitet, das Kirchenmusik von Peter Iljitsch Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow mit Auszügen von Leo Tolstojs später Novelle „Vater Sergius“ kombinierte.[....] Auf gleichem Niveau standen die zwischen den Chören platzierten Lesungen Walter Sittlers, der mit prägnanter, klarer Aussprache, großer Subtilität und insgesamt bemerkenswert unprätentiös die von den inneren Kämpfen eines russischen Adligen handelnde, offenbar stark autobiographische Tolstoj-Novelle vorlas – zu Beginn beinahe im nüchternen Stil eines Nachrichtensprechers, später, bei dialogischen Passagen, mit kleinen Nuancen in der Betonung quasi die einzelnen Personen mehr andeutend als verkörpernd. Kurzzeitig blitzte ein feiner Humor auf, dessen Fragwürdigkeit jedoch bald offenbar wurde. Kurz, Sittlers in höchstem Maß überzeugende, jederzeit ausgefeilte Gestaltung auch kleinster Details, ohne jemals der Gefahr der Überzeichnung zu erliegen, trug ebenso zum außergewöhnlichen Erfolg dieser Veranstaltung bei wie der grandiose Auftritt des Motettenchors.

Taunus Zeitung, 30.09.03

[....] Walter Sittler als Sprecher ist es zu danken, dass er der Figur des "Vater Sergius" eine warme Stimme Gestalt und Leben verliehen hat. Ihm konnte man zuhören, ohne dass der Spannungsbogen abriss. In sechs Lesesequenzen, die sich mit acht Gesangsvorträgen abwechselten, wurde sowohl die Figur des Fürsten Stepan Kassatskij lebendig als auch insbesondere die Stätten seines Wirkens als Pater Sergius – sei es das Kloster, die Eremitenhütte oder seine Flucht als Pilger, die in der Verbannung endet. Der Vortrag war Stimme, die Gestik sparsam, so dass dem Zuhörer die Konzentration auf Tolstojs Protagonisten ungestört möglich war. Dessen Ringen um seine Verachtung gegenüber dem Weltlichen, sein Wunsch, sich zu etwas Höherem zu erheben und seine Verzweiflung, mit der er, Pater Sergius, zu Gott betete, schlug die Brücke zur Musik. [....]